Reiseblog Skandinavien

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Info's zu den besuchten Städten aus den lokalen Websites und Wikipedia.

Fotos copyright by P.Trippi / H.Widrig 

 

Unser dritter Anlauf an die Westküste Norwegens (2018 wegen Unwetter nach Schweden "übersiedelt", 2020 wegen Corona nicht gestartet) geht bei blauem Himmel unter Hochdruckwetterlage zur 8-wöchigen Reise in den Norden. Unsere Etappen grob geplant freuen wir uns auf neue Höhepunkte mit den Städten Stavanger, Bergen, Ålesund, Tromsø, Båtsfjord, Vaasa und Umea. Ob wir mit Erfolg Walen, Seeadler und Bären begegnen, wird sich auf Boots- und Beobachtungstouren zeigen. Sicherlich werden Landschafts- und Bahnsujets mit zum Reisegepäck gehören. So starteten wir am 8.Mai 2022 in der Früh am Sonntagmorgen auf der wenig befahrenen Autobahn A7 Richtung Norden.

 

Unser Motto:

Zum Arbeiten zu alt

Zum Sterben zu jung

Zum Reisen sind wir top fit!

 


Für unseren ersten Übernachtungs-Zwischenstopp wählten wir den Stellplatz beim 5*-Südsee-Camping in Wietzendorf zwischen Hannover und Hamburg. Ruhig gelegen, aber in der Nähe der A7-Abfahrt, mit self-check-in, Wasser und Strom und basierend auf first come - first served. Ein rundum idealer Platz für eine kurze Übernachtung.

Dänemark bietet immer schöne Motive, seinen es Kro's, seien es Häfen oder Landschaften. Die Nacht verbringen wir im Lyng Dal Hotel og Restaurant in Ry, noch einmal ausgiebig duschen und den Hotelkomfort geniessen. Hierzu unser Kommentar auf Booking.com: Exzellentes und reichliches Frühstück mit vielen kleinen Details wie Blumen, Früchte, Heidelbeeren an Quark und alles Übliche hübsch arrangiert. Sehr zu empfehlen für Auge und Gaumen.

Pünktlich zum Reisestart nach Norwegen erreichen uns Regenwolken und -schauer bei der Abfahrt im dänischen Hirtshals nach Kristiansand. Unsere Route im Hinterland der Südküste Richtung Stavanger führt uns über enge, steile und kurvige Bergsträsschen zu geplanten Bahn-Fotopunkten, die wir dann wetterbedingt links liegen liessen. Die Fahrt durch lichte Wälder, Hochmoore, viele Waldseen, vorbei an Felsen und Wasserfällen sowie unzählige Tunnels bereichern das Auge. Am Mosvatnet-Waldsee vor Konsmo erreicht uns im richtigen Moment ein Sonnenstrahl und dazu einer der wenigen Züge. Was will man mehr ... ein paar hundert Meter später ein Übernachtungsplatz zwischen Strasse und Bahndamm, unser Camperleben kann beginnen.

Am späteren Nachmittag des 11. Mai treffen wir in Stavanger ein um gleich einen Platz im Camping Mosvangen für zwei Nächte zu beziehen. Den nächsten Tag gilt der Stadtbesichtigung mit dem historischen Viertel, dem Hafen und einem Crevetten-Sandwiches.


Ein Museumsbesuch zeigt uns, neben der traditionellen Fischabfüllbetrieb, die industrielle Entwicklung von Konservendosen und der Drucktechnik in Stavanger. In der Zeit um 1900 entstanden verschiedene lithographische Druckereibetriebe für Etiketten und andere Druckprodukte. 1912 wurden pro Woche 3 Millionen Etiketten für Fischkonserven hergestellt. Der Bedarf an bunten Etiketten und Verpackungen für die wachsende Konservenindustrie legte den Grundstein für die starke grafische Industrie der Stadt.   

Ein Blick in einen Sardinen-Abfüllbetrieb um 1900.

Im Druckereimuseum bestaunen wir eine Graphik von uns zweien ... und von künstlerischen Sardinendosen-Etiketten.


Von unserem Übernachtungsplatz geht es weiter Richtung Bergen. Infolge tief hängenden Wolken nehmen wir die Inlandroute über Aksdal und Odda. Doch das Wetter trübt ein und bei der Durchfahrt von Rullestad setzt wieder heftiger Regen ein. Genau dort, wo wir vor vier Jahren (24.9.2018) unsere erste Norwegen-Westküstenreise wegen mehreren Sturmtiefs und Hochwasser am Campingplatz Rullestad abbrachen und nach dem sonnigen Schweden dislozierten ... dieses Mal halten wir dem Regen stand. Zum Übernachten finden wir am Hardangerfjord kurz nach Utne auf einer Anhöhe einen geeigneten Stellplatz. 

Von Stavanger an den Hardangerfjord

Stellplatz "30 + 1 Wasserfall"

Die Wolken grau, Regen prasselt ununterbrochen aufs Autodach, entlang dem Fjord 30 Wasserfälle an den Berghängen zu zählen, blaugrau das Meerwasser ... wir machen es uns gemütlich im geheizten Camper.

Am nächsten Morgen der Aufsteller, erste Sonnenstrahlen, ein Regenbogen, Schneefelder in den Fjells und ein weiterer Wasserfall entdeckt: Vom Autodach auf der Innenseite zum Rückspiegel auf die Warnblinktaste runter in die CD-Öffnung und weiter ins Audio/Navigerät ... und der Absteller: ein blackout auf dem Display! Gerade mal eine Woche unterwegs und sieben folgen noch. Dank Reserve-TomTom und vielen abgespeicherten Kartendetails werden wir unsere Ziele trotzdem finden, anstelle Audio können wir es ja mit einem Duett versuchen😊. Wetterbesserung ist in Sicht!


14. Mai: Fahrt entlang den Hängen des Folgefonno-Berges am Hardangerfjord sind überall Obstplantagen mit Äpfeln, Kirschen und weiteren mit der Blühte beginnenden Obstbäume anzutreffen. 

Dann setzen wir mit der Fähre nach Kvanndal über und folgen, vorbei an den Steinsdalsfossen, der Route nach Bergen. Im Bratland Camping docken wir an und freuen uns auf den morgigen Stadtbesuch in Bergen.


1360 eröffnete in Bergen ein Hansekontor „Tyske Bryggen“ und betrieb regen Handel mit den Hansestädten an der Ostsee. Im Jahr 1665, während des Zweiten Englisch-Niederländischen Krieges, über-fielen englische Kriegsschiffe eine niederländische Handelsflotte im Hafen von Bergen. Die Schlacht in der Bucht von Bergen endete mit einer Niederlage der Engländer. Dazu trug auch die Unterstützung der dänischen Festungsbesatzungen für die Niederländer mit bei. Bis 1880 war Bergen wichtigster Hafen und größte Stadt Norwegens. Am 16. Januar 1916 wurde ein großer Teil der noch aus vielen Holzhäusern bestehenden Stadt von einem Großbrand vernichtet.

 

 

Unser Besuch in Bergen endete mit ein paar ersten Sonnenstrahlen, ein in der regenreichsten Stadt Norwegen schon fast ein Glückfall.  Trotz tief liegenden Wolken reichte es gerade noch, nach einer Seilbahnfahrt auf die Fløibanen - Bergstation, zur Rundsicht über die eindrückliche Hafenstadt. Ein Stadtrundgang brachte uns vorbei am Fischmarkt, der Statue des norwegischen Komponisten Edvard Grieg, dem Historischen- und dem Kunstmuseum,  der Altstadt Bryggen und dem Hafen. Ein kurzer Abstecher ins Freilichtmuseum Bymuseet i Bergen, das saisonbedingt begehbar aber sonst mit geschlossenen, alten Häusern wenig Einblick ins historische Leben zeigte.

 


Nach zwei Übernachtungen im komfortablem Bratland Camping geht die Reise weiter Richtung Voss und Flåm, welches am Ende des Aurlandsfjords liegt. Prächtiges Wetter führte uns mit der spetakulären Flåmsbana (steilste Normalspurbahn der Welt) nach Myrdal auf 866 m an der Oslo-Bergen Linie. Wieder am Meer folgten wir zur Übernachtung der Strasse Nr 50 ab Aurland durch drei Tunnels auf rund 800 m Höhe zum noch geschlossenen, aber zugänglichen Campingplatz Østerbø Fjellstove. Rundum herrlich Bergsicht mit lawinenüberzogenen Berghängen. Allein in der Natur geniessen wir den mit 15 Grad warmen Abend ... in der Nacht fällt das Thermometer unter Null.


Am 17. Mai geht es wieder nach Aurland zurück um dann den mit 24.5 km längsten Tunnel der Welt zu durchfahren. Bei je einem viertel der Strecke erscheint eine riesige Kaverne in poppigen Farben beleuchtet und weckt den Geist für den nächsten schnurgeraden Abschnitt. Überhaupt durchqueren wir laufend Tunnels auf unseren Fahrten in Südnorwegen, gefühlte 30 haben wir unbeschadet überstanden. Inzwischen funktioniert auch unser gewässertes Audio/Navi-Gerät wieder, wenn auch ohne schwarzen Farbton und in popigen Farben. So im (Tunnel)-Nachtmodus mit glarig pinkigem Gelände und gelben Wasserbereichen, alles passend zur soeben beschriebenen Tunnelbeleuchtung. 

Nach 62 km Fahrt (davon etwas mehr als die Hälfte am Tageslicht) gelangen wir nach Lærdalsøyri, wo uns spontan ein paar hübsche Häuser zum Verweilen einluden. Ein schmuckes Dorf fein säuberlich herausgeputzt und alle Gärten und Fenster beflaggt. Der Verfassungstag (norwegisch grunnlovsdag) in Norwegen ist der 17. Mai und hat die Funktion eines Nationalfeiertages. Gefeiert wird die Verabschiedung von „Kongeriket Norges Grunnlov“ (Grundgesetz des Königreichs Norwegen) am 17. Mai 1814 in Eidsvoll.  

In den Orten werden Kinder- und Bürgerumzüge durchgeführt, an denen auch Musikkapellen teilnehmen. Nach dem Zug werden oft Spiele für Schulkinder veranstaltet und Eiscreme und Würstchen an sie verteilt. Der 17. Mai wird deshalb oft auch als „Barnas dag“ (Tag der Kinder) bezeichnet. Überall, auch auf den Umzügen, wird die norwegische Flagge gezeigt und die Menschen gehen in festlicher Kleidung und, wer sie besitzt, in norwegischer Tracht. Letztere waren an diesem Tag allgegenwärtig und überall genoss man den warmen und sonnigen Tag, wir inklusive.

Nach der Überfahrt von Fodnes Ferjekai nach Mannheller Ferjekai zur Überquerung des Sognefjorden geht die Reise weiter Richtung Norden. Entlang von Fjorden, durch Tunnels, Steilstrassen hinauf zu Schneefeldern und Sichtung von Gletschern bescheren uns eine herrliche Zick-Zack-Fahrt über Sogndal, Byrkjelo, Stryn und Videseter. Wieder im Anstieg geht es entlang von Schneefeldern ins Gebirge, wo ein Rastplatz unser Stellplatz für die Nacht wird.  


Bei herrlichem Wetter führt uns der Weg weiter nach Grotli im Tal Billingsdalen am östlichen Ende des Sees Breiddalsvatnet. Das Gebiet ist ein Skizentrum, hat wenige ständige Einwohner und eine Reihe von Ferienhäusern. Wir sind fasziniert von der Weite des Fjelltales und kommen aus dem Staunen kaum hinaus.

Danach geht es gemächlich das Tal hinunter, das allgemeine Braun geht ins frühlingshafte Grün über, ein breiter und langsam dahinziehender Fluss überwindet Stromschnellen und breitet sich im Tal aus. Unser nächster Halt gilt Lom, wo wir uns "zufällig" einer Reisegruppe zur  Besichtigung der Stabkirche anschlossen. 

Untersuchungen der ältesten erhaltenen Kiefernholzteile haben ergeben, dass ihr Bau um 1158 begann. Es handelte sich um eine Stabkirche im Basilikastil mit einem rechteckigen Grundriss und einem umlaufenden niedrigen Laubengang (Svalgang). Nach der Reformation, in Norwegen um 1537 datiert, erfolgten bauliche Veränderungen. Der Chor erhielt 1608 eine reich dekorierte Decke und gleichzeitig schmückte man auch den Eingang in den Chorraum aus. 


Endlich sichten wir bei einem Einkaufsbummel auch ein paar Trolle und ihr Reich, was natürlich fotographisch festzuhalten ist. So kommt uns auch ein erster Elch zu Gesicht ...


Unser nächstes Ziel ist das Naturschutzgebiet Fokstumyra östlich von Dombas. Doch der viele Schnee und sehr sumpfige Stellen vereiteln, mangels Stiefeln, eine Begehung. So widmen wir uns der nächsten "Aufgabe": Bahnfotos ... an der ab heute 18.5. für zehn Tage gesperrten Dovrebahn. Doch die Errichtung der Baustellen und das Heranführen von Material gibt uns noch eine Chance, ein paar letzte Züge zu erwischen.

Die Natur in den Fjells ist spärlich, viele Moose, kleine knorrige Birken, erste aufgehende Widebüseli und dürre Grasbüschel verbreiten einen eigenen sanften Reiz nach der Winterstarre. Überall kleine Tümpel, klare tobende Flüsse und letzte Schneefelder geben der Landschaft ihre eigenen Charakter.

Nach einer Übernachtung im Dovrefjell bei Kongsvold steuern wir Åndalsnes an, eine Stadt ohne Charme aber mit einkaufshungrigen Kreuzfahrt-Touristen, die mit TUI hier zum Schoppen "gestrandet" sind. Nicht ganz unsere Welt und so fahren wir nach dem viel angepriesenen Ålesund. Bei dem Stadtbrand von Ålesund wurde in der Nacht zum 23. Januar 1904 fast die komplette Innenstadt zerstört. Ausgelöst durch eine umgekippte Petroleumlampe in einer Margarinefabrik brannte das Feuer über 16 Stunden lang. Rund 850 Häuser – alle nahezu komplett in Holzbauweise errichtet – wurden vollständig zerstört und über 10.000 Einwohner wurden obdachlos. Ein Stadtrundgang führte uns durch die im Jugendstil errichtete Innenstadt, die damals Dank der Unterstützung des Deutschen Kaiserreichs nach dem Brand entstand. Ein Gemälde in einem Gallerie-Schaufenster und ein Bild im Antiquitätenhaus lenken unsere Aufmerksamkeit weiteren schönen Dingen zu. 

Die Stadt wuchs im 19 Jahrhundert in kurzer Zeit stark an und wurde so zu einem der größten Fischereihäfen Norwegens und zum größten Exporthafen für Stockfisch in Norwegen. Da Stockfisch nicht gerade unsere bevorzugte Kost ist, blieb uns halt nur ein herrlich mundender Salat- und Mini-Sandwiches-Imbiss und zum Abschluss ein Vanille Panna Cotta mit Himbeeren zu erstaunlichen 825 NOK (82 Fr) . Doch was solls, es mundete herrlich und bedient zu werden bildete ein Kontrast zum eigenen servierten Camping-Menu.

Übernachtet wurde am stadteigenen Wohnmobil-Stellplatz Hjelsetgarden direkt am Meer mit wunderbarem Sonnenuntergang:

Heute ist Inselhopping angesagt: Ab Ålesund fahren wir über Brattvåg per Fähre zur Insel Dryna. Weiter geht es über Brückenverbindungen nach Midøya und Otrøya. Die letzte Fähre bringt uns von Solholmen nach Mordalsvågen wieder ans Festland. Weiter geht es Richtung Kristiansund.

 

Bei der Solholmen Fähre bietet sich ein einmaliges Berg-Panorama (zum Vergrössern 2x anklicken):


Kurz vor Bud zweigen wir spontan bei einem Camping-Wegweiser ab und landen einen Volltreffer: Blåhammer Camping am Nordatlantik. Hier lässt sich wunderbar sünnele und den Reiseblog ab Bergen zu ergänzen. Hier bleiben wir für zwei Tage, allerdings ist ein Wetterwechsel angesagt.

auf bald, ab 25.5. geht es weiter mit dem Blog-Bericht über Trondheim und ...