Reiseblog Skandinavien Teil 1

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Info's zu den besuchten Städten aus den lokalen Websites und Wikipedia.

Fotos copyright by P.Trippi / H.Widrig 

 

Unser dritter Anlauf an die Westküste Norwegens (2018 wegen Unwetter nach Schweden "übersiedelt", 2020 wegen Corona nicht gestartet) geht bei blauem Himmel unter Hochdruckwetterlage zur 8-wöchigen Reise in den Norden. Unsere Etappen grob geplant freuen wir uns auf neue Höhepunkte mit den Städten Stavanger, Bergen, Ålesund, Tromsø, Båtsfjord, Vaasa und Umea. Ob wir mit Erfolg Walen, Seeadler und Bären begegnen, wird sich auf Boots- und Beobachtungstouren zeigen. Sicherlich werden Landschafts- und Bahnsujets mit zum Reisegepäck gehören. So starteten wir am 8.Mai 2022 in der Früh am Sonntagmorgen auf der wenig befahrenen Autobahn A7 Richtung Norden.

 

Unser Motto:

Zum Arbeiten zu alt

Zum Sterben zu jung

Zum Reisen sind wir top fit!

 


Für unseren ersten Übernachtungs-Zwischenstopp wählten wir den Stellplatz beim 5*-Südsee-Camping in Wietzendorf zwischen Hannover und Hamburg. Ruhig gelegen, aber in der Nähe der A7-Abfahrt, mit self-check-in, Wasser und Strom und basierend auf first come - first served. Ein rundum idealer Platz für eine kurze Übernachtung.

Dänemark bietet immer schöne Motive, seinen es Kro's, seien es Häfen oder Landschaften. Die Nacht verbringen wir im Lyng Dal Hotel og Restaurant in Ry, noch einmal ausgiebig duschen und den Hotelkomfort geniessen. Hierzu unser Kommentar auf Booking.com: Exzellentes und reichliches Frühstück mit vielen kleinen Details wie Blumen, Früchte, Heidelbeeren an Quark und alles Übliche hübsch arrangiert. Sehr zu empfehlen für Auge und Gaumen.

Pünktlich zum Reisestart nach Norwegen erreichen uns Regenwolken und -schauer bei der Abfahrt im dänischen Hirtshals nach Kristiansand. Unsere Route im Hinterland der Südküste Richtung Stavanger führt uns über enge, steile und kurvige Bergsträsschen zu geplanten Bahn-Fotopunkten, die wir dann wetterbedingt links liegen liessen. Die Fahrt durch lichte Wälder, Hochmoore, viele Waldseen, vorbei an Felsen und Wasserfällen sowie unzählige Tunnels bereichern das Auge. Am Mosvatnet-Waldsee vor Konsmo erreicht uns im richtigen Moment ein Sonnenstrahl und dazu einer der wenigen Züge. Was will man mehr ... ein paar hundert Meter später ein Übernachtungsplatz zwischen Strasse und Bahndamm, unser Camperleben kann beginnen.

Am späteren Nachmittag des 11. Mai treffen wir in Stavanger ein um gleich einen Platz im Camping Mosvangen für zwei Nächte zu beziehen. Den nächsten Tag gilt der Stadtbesichtigung mit dem historischen Viertel, dem Hafen und einem Crevetten-Sandwiches.


Ein Museumsbesuch zeigt uns, neben der traditionellen Fischabfüllbetrieb, die industrielle Entwicklung von Konservendosen und der Drucktechnik in Stavanger. In der Zeit um 1900 entstanden verschiedene lithographische Druckereibetriebe für Etiketten und andere Druckprodukte. 1912 wurden pro Woche 3 Millionen Etiketten für Fischkonserven hergestellt. Der Bedarf an bunten Etiketten und Verpackungen für die wachsende Konservenindustrie legte den Grundstein für die starke grafische Industrie der Stadt.   

Ein Blick in einen Sardinen-Abfüllbetrieb um 1900.

Im Druckereimuseum bestaunen wir eine Graphik von uns zweien ... und von künstlerischen Sardinendosen-Etiketten.


Von unserem Übernachtungsplatz geht es weiter Richtung Bergen. Infolge tief hängenden Wolken nehmen wir die Inlandroute über Aksdal und Odda. Doch das Wetter trübt ein und bei der Durchfahrt von Rullestad setzt wieder heftiger Regen ein. Genau dort, wo wir vor vier Jahren (24.9.2018) unsere erste Norwegen-Westküstenreise wegen mehreren Sturmtiefs und Hochwasser am Campingplatz Rullestad abbrachen und nach dem sonnigen Schweden dislozierten ... dieses Mal halten wir dem Regen stand. Zum Übernachten finden wir am Hardangerfjord kurz nach Utne auf einer Anhöhe einen geeigneten Stellplatz. 

Von Stavanger an den Hardangerfjord

Stellplatz "30 + 1 Wasserfall"

Die Wolken grau, Regen prasselt ununterbrochen aufs Autodach, entlang dem Fjord 30 Wasserfälle an den Berghängen zu zählen, blaugrau das Meerwasser ... wir machen es uns gemütlich im geheizten Camper.

Am nächsten Morgen der Aufsteller, erste Sonnenstrahlen, ein Regenbogen, Schneefelder in den Fjells und ein weiterer Wasserfall entdeckt: Vom Autodach auf der Innenseite zum Rückspiegel auf die Warnblinktaste runter in die CD-Öffnung und weiter ins Audio/Navigerät ... und der Absteller: ein blackout auf dem Display! Gerade mal eine Woche unterwegs und sieben folgen noch. Dank Reserve-TomTom und vielen abgespeicherten Kartendetails werden wir unsere Ziele trotzdem finden, anstelle Audio können wir es ja mit einem Duett versuchen😊. Wetterbesserung ist in Sicht!


14. Mai: Fahrt entlang den Hängen des Folgefonno-Berges am Hardangerfjord sind überall Obstplantagen mit Äpfeln, Kirschen und weiteren mit der Blühte beginnenden Obstbäume anzutreffen. 

Dann setzen wir mit der Fähre nach Kvanndal über und folgen, vorbei an den Steinsdalsfossen, der Route nach Bergen. Im Bratland Camping docken wir an und freuen uns auf den morgigen Stadtbesuch in Bergen.


1360 eröffnete in Bergen ein Hansekontor „Tyske Bryggen“ und betrieb regen Handel mit den Hansestädten an der Ostsee. Im Jahr 1665, während des Zweiten Englisch-Niederländischen Krieges, über-fielen englische Kriegsschiffe eine niederländische Handelsflotte im Hafen von Bergen. Die Schlacht in der Bucht von Bergen endete mit einer Niederlage der Engländer. Dazu trug auch die Unterstützung der dänischen Festungsbesatzungen für die Niederländer mit bei. Bis 1880 war Bergen wichtigster Hafen und größte Stadt Norwegens. Am 16. Januar 1916 wurde ein großer Teil der noch aus vielen Holzhäusern bestehenden Stadt von einem Großbrand vernichtet.

 

 

Unser Besuch in Bergen endete mit ein paar ersten Sonnenstrahlen, ein in der regenreichsten Stadt Norwegen schon fast ein Glückfall.  Trotz tief liegenden Wolken reichte es gerade noch, nach einer Seilbahnfahrt auf die Fløibanen - Bergstation, zur Rundsicht über die eindrückliche Hafenstadt. Ein Stadtrundgang brachte uns vorbei am Fischmarkt, der Statue des norwegischen Komponisten Edvard Grieg, dem Historischen- und dem Kunstmuseum,  der Altstadt Bryggen und dem Hafen. Ein kurzer Abstecher ins Freilichtmuseum Bymuseet i Bergen, das saisonbedingt begehbar aber sonst mit geschlossenen, alten Häusern wenig Einblick ins historische Leben zeigte.

 


Nach zwei Übernachtungen im komfortablem Bratland Camping geht die Reise weiter Richtung Voss und Flåm, welches am Ende des Aurlandsfjords liegt. Prächtiges Wetter führte uns mit der spetakulären Flåmsbana (steilste Normalspurbahn der Welt) nach Myrdal auf 866 m an der Oslo-Bergen Linie. Wieder am Meer folgten wir zur Übernachtung der Strasse Nr 50 ab Aurland durch drei Tunnels auf rund 800 m Höhe zum noch geschlossenen, aber zugänglichen Campingplatz Østerbø Fjellstove. Rundum herrlich Bergsicht mit lawinenüberzogenen Berghängen. Allein in der Natur geniessen wir den mit 15 Grad warmen Abend ... in der Nacht fällt das Thermometer unter Null.


Am 17. Mai geht es wieder nach Aurland zurück um dann den mit 24.5 km längsten Strassentunnel der Welt zu durchfahren. Bei je einem viertel der Strecke erscheint eine riesige Kaverne in poppigen Farben beleuchtet und weckt den Geist für den nächsten schnurgeraden Abschnitt. Überhaupt durchqueren wir laufend Tunnels auf unseren Fahrten in Südnorwegen, gefühlte 30 haben wir unbeschadet überstanden. Inzwischen funktioniert auch unser gewässertes Audio/Navi-Gerät wieder, wenn auch ohne schwarzen Farbton und in popigen Farben. So im (Tunnel)-Nachtmodus mit glarig pinkigem Gelände und gelben Wasserbereichen, alles passend zur soeben beschriebenen Tunnelbeleuchtung. 

Nach 62 km Fahrt (davon etwas mehr als die Hälfte am Tageslicht) gelangen wir nach Lærdalsøyri, wo uns spontan ein paar hübsche Häuser zum Verweilen einluden. Ein schmuckes Dorf fein säuberlich herausgeputzt und alle Gärten und Fenster beflaggt. Der Verfassungstag (norwegisch grunnlovsdag) in Norwegen ist der 17. Mai und hat die Funktion eines Nationalfeiertages. Gefeiert wird die Verabschiedung von „Kongeriket Norges Grunnlov“ (Grundgesetz des Königreichs Norwegen) am 17. Mai 1814 in Eidsvoll.  

In den Orten werden Kinder- und Bürgerumzüge durchgeführt, an denen auch Musikkapellen teilnehmen. Nach dem Zug werden oft Spiele für Schulkinder veranstaltet und Eiscreme und Würstchen an sie verteilt. Der 17. Mai wird deshalb oft auch als „Barnas dag“ (Tag der Kinder) bezeichnet. Überall, auch auf den Umzügen, wird die norwegische Flagge gezeigt und die Menschen gehen in festlicher Kleidung und, wer sie besitzt, in norwegischer Tracht. Letztere waren an diesem Tag allgegenwärtig und überall genoss man den warmen und sonnigen Tag, wir inklusive.

Nach der Überfahrt von Fodnes Ferjekai nach Mannheller Ferjekai zur Überquerung des Sognefjorden geht die Reise weiter Richtung Norden. Entlang von Fjorden, durch Tunnels, Steilstrassen hinauf zu Schneefeldern und Sichtung von Gletschern bescheren uns eine herrliche Zick-Zack-Fahrt über Sogndal, Byrkjelo, Stryn und Videseter. Wieder im Anstieg geht es entlang von Schneefeldern ins Gebirge, wo ein Rastplatz unser Stellplatz für die Nacht wird.  


Bei herrlichem Wetter führt uns der Weg weiter nach Grotli im Tal Billingsdalen am östlichen Ende des Sees Breiddalsvatnet. Das Gebiet ist ein Skizentrum, hat wenige ständige Einwohner und eine Reihe von Ferienhäusern. Wir sind fasziniert von der Weite des Fjelltales und kommen aus dem Staunen kaum hinaus.

Danach geht es gemächlich das Tal hinunter, das allgemeine Braun geht ins frühlingshafte Grün über, ein breiter und langsam dahinziehender Fluss überwindet Stromschnellen und breitet sich im Tal aus. Unser nächster Halt gilt Lom, wo wir uns "zufällig" einer Reisegruppe zur  Besichtigung der Stabkirche anschlossen. 

Untersuchungen der ältesten erhaltenen Kiefernholzteile haben ergeben, dass ihr Bau um 1158 begann. Es handelte sich um eine Stabkirche im Basilikastil mit einem rechteckigen Grundriss und einem umlaufenden niedrigen Laubengang (Svalgang). Nach der Reformation, in Norwegen um 1537 datiert, erfolgten bauliche Veränderungen. Der Chor erhielt 1608 eine reich dekorierte Decke und gleichzeitig schmückte man auch den Eingang in den Chorraum aus. 


Endlich sichten wir bei einem Einkaufsbummel auch ein paar Trolle und ihr Reich, was natürlich fotographisch festzuhalten ist. So kommt uns auch ein erster Elch zu Gesicht ...


Unser nächstes Ziel ist das Naturschutzgebiet Fokstumyra östlich von Dombas. Doch der viele Schnee und sehr sumpfige Stellen vereiteln, mangels Stiefeln, eine Begehung. So widmen wir uns der nächsten "Aufgabe": Bahnfotos ... an der ab heute 18.5. für zehn Tage gesperrten Dovrebahn. Doch die Errichtung der Baustellen und das Heranführen von Material gibt uns noch eine Chance, ein paar letzte Züge zu erwischen.

Die Natur in den Fjells ist spärlich, viele Moose, kleine knorrige Birken, erste aufgehende Widebüseli und dürre Grasbüschel verbreiten einen eigenen sanften Reiz nach der Winterstarre. Überall kleine Tümpel, klare tobende Flüsse und letzte Schneefelder geben der Landschaft ihre eigenen Charakter.

Nach einer Übernachtung im Dovrefjell bei Kongsvold steuern wir Åndalsnes an, eine Stadt ohne Charme aber mit einkaufshungrigen Kreuzfahrt-Touristen, die mit TUI hier zum Schoppen "gestrandet" sind. Nicht ganz unsere Welt und so fahren wir nach dem viel angepriesenen Ålesund. Bei dem Stadtbrand von Ålesund wurde in der Nacht zum 23. Januar 1904 fast die komplette Innenstadt zerstört. Ausgelöst durch eine umgekippte Petroleumlampe in einer Margarinefabrik brannte das Feuer über 16 Stunden lang. Rund 850 Häuser – alle nahezu komplett in Holzbauweise errichtet – wurden vollständig zerstört und über 10.000 Einwohner wurden obdachlos. Ein Stadtrundgang führte uns durch die im Jugendstil errichtete Innenstadt, die damals Dank der Unterstützung des Deutschen Kaiserreichs nach dem Brand entstand. Ein Gemälde in einem Gallerie-Schaufenster und ein Bild im Antiquitätenhaus lenken unsere Aufmerksamkeit weiteren schönen Dingen zu. 

Die Stadt wuchs im 19 Jahrhundert in kurzer Zeit stark an und wurde so zu einem der größten Fischereihäfen Norwegens und zum größten Exporthafen für Stockfisch in Norwegen. Da Stockfisch nicht gerade unsere bevorzugte Kost ist, blieb uns halt nur ein herrlich mundender Salat- und Mini-Sandwiches-Imbiss und zum Abschluss ein Vanille Panna Cotta mit Himbeeren zu erstaunlichen 825 NOK (82 Fr) . Doch was solls, es mundete herrlich und bedient zu werden bildete ein Kontrast zum eigenen servierten Camping-Menu.

Übernachtet wurde am stadteigenen Wohnmobil-Stellplatz Hjelsetgarden direkt am Meer mit wunderbarem Sonnenuntergang:

Reiseblog Norwegen P.Trippi
Der nächste Morgen: Ein grauer Schleier liegt über dem Wasser bis die Hurtigruten das Horn ertönen lässt.

Heute ist Inselhopping angesagt: Ab Ålesund fahren wir über Brattvåg per Fähre zur Insel Dryna. Weiter geht es über Brückenverbindungen nach Midøya und Otrøya. Die letzte Fähre bringt uns von Solholmen nach Mordalsvågen wieder ans Festland. Weiter geht es Richtung Kristiansund.

 

Bei der Solholmen Fähre bietet sich ein einmaliges Berg-Panorama (zum Vergrössern 2x anklicken):


Kurz vor Bud zweigen wir spontan bei einem Camping-Wegweiser ab und landen einen Volltreffer: Blåhammer Camping am Nordatlantik. Hier lässt sich wunderbar sünnele und den Reiseblog ab Bergen zu ergänzen. Hier bleiben wir für zwei Tage, allerdings ist ein Wetterwechsel angesagt.

Unseren zweiten Tag in Blåhammer verbringen wir "inhouse" da draussen ein kühler Nieselregen den Tag begleitet. Ein Bisschen Chillen, Lesen, Spazieren und einfach einen fahrfreien ruhigen Tag geniessen.

Am 22. Mai geht die Reise über Bud auf die Atlantikstrasse Richtung Kristiansund. Plötzlich Aufregung auf dem Beifahrersitz: Ein Seeadler von vorne im Anflug ... Kamera einschalten, richten und den Moment durch die Frontscheibe festhalten ... der dritte Abdrücker bringt das perfekte Bild, und schon ist er an uns vorbei.

Die Atlantic Strasse - schönste Autofahrt der Welt - und in Norwegen zum Bauwerk des Jahrhunderts gekürt wurde, ist 8274 Meter lang und wurde 1989 fertiggestellt. Sicherlich ein Erlebnis bei stürmischer See, unsere Durch- und Überfahrt der Schären schön aber nicht ganz den Marketingversprechen ent-sprechend. Kristiansund nutzen wir als kurzen Zwischenstopp auf unserer Reise Richtung Trondheim.


An der Spitze des Hemnefjord befindet sich in Kyrksæterøra der Skogrand Camping, für uns kurz "Deutsches Fischercamp" benannt, wo wir für die Nacht anlegen. Zahlreiche Angler aus Berlin, Würzburg, Plochingen u.w. haben hier ihr Stelldichein und am Morgen wie Abend gibt es Fischrüstete zuhauf. Wie bisher auf allen norwegischen Campings top saubere Sanitäranlagen mit Dusche, WC, Küche (teils mit Backofen u/o Microwelle) sowie die Möglichkeit, Geschirr und Kleidung zu waschen (Waschmaschine und Trockner mit kleinem Aufschlag inklusive). 


Fähre Kanestraum nach Halsa
Fähre Kanestraum nach Halsa

Endlich Montag ... nun können wir unsere alten norwegischen Kronen-Banknoten aus 2018 und 2015 bei Norges Bank in Trondheim in zahlungsfähige Noten wechseln, immerhin 1850 NOK. Bargeld ist zwar nett aber hier in Skandinavien nur bei Netzausfall von Nutzen, ohne Kreditkarte geht's weder aufs Klo noch gibt es einen gültigen Parkplatzaufenthalt.

Zurück auf der E39 zweigen wir nach Valset ab um mit der Fähre nach Brekstad zu übersetzen. Am Abend beziehen wir beim Grandefjaera Naturreservat einen einfachen Stellplatz. Mantelmöwe, Heringsmöwe, Sturmmöwe, Brandenten, Goldregenpfeifer, Regenbrachvogel und eine Vielzahl von singenden Lerchen gibt es zu sehen, vom 1 km weit entfernten grössten norwegischen Militärflugplatz Ørland mit der ersten aktiven und operativen F35-Staffel war leider nichts zu sehen. Letztlich waren wir ja, als Ornithologe, wegen den Vögeln hier und nur zufällig am Flughafen …


Auf der Fahrt nordwärts …

Maa: Di erschte Rentier!

Frou: Das isch nid wohr!

Maa: Gloubsch au nüt!

Frou: I ha nüt gseh!

Maa: Chas bewiese, kehre s’Auto um!

Frou: Di si doch im Wald verschwunde!

Maa: Lueg, do chömets!

Frou: oh, jetz glaub i dir wieder auus! 

Zum Beweis des Dialogs ist das Foto beigefügt:


Auf der langen Etappe von Ørland nach Moi i Rana machen wir auf ca. zweidrittel Strecke am Abend des 24. Mai beim Camping Storforsen halt. Der über Schwellen rauschende Strom Vefsna steigt während des Abends zwar leicht an und führt reichlich Wasser. Praktisch alle Flüsse sind wegen der Schneeschmelze, aufgrund der warmen Temperaturen von 15 Grad und mehr, über die Ufer getreten.  Da aber eine trockene Nacht bevorsteht bereitet dies kaum Sorgen für einen unruhigen Schlaf.

Am nächsten Morgen machen wir einen Halt in Trofors beim lokalen Helgeland Freilichtmuseum «Grane Bygdetun», dass zwar geschlossen ist uns aber durch einen Mitarbeiter dennoch offene Türen bot. Anschliessend geht es Richtung Polarkreis.

Kurz nach dem Polarkreis auf 692 MüM bläst ein kalter Blizzard artiger 100 km plus - Sturm über die Saltfjellet-Ebene und vereitelt beinahe ein Fotoshooting des herannahenden Schnellzuges Bodø-Trondheim. Da war Standhaftigkeit im wahrsten Sinne gefragt. Für weitere Aufnahmen suchen wir bei einem Bahnhof weiter zurück im Tal erfolgreich Zuflucht. Nächster Stopp in Lønsdal, wo ein Bahnbeamter sich um zwei Bahnfotographen (DK und CH) kümmerte und extra per Auto uns am Fotostandort auf eine Zugsverspätung aufmerksam machte. Ein Service den man(n) nicht allerorts geliefert bekommt.


Das stürmische Fjell bietet, im Schutz des Campers, auch schöne Momente, die wir geniessen. So setzt sich ein Rotschenkel fotogen direkt neben unser Auto.

Nach einer ruhigen Nacht bei einem Waldsee, kurz vor der Abzweigung nach Arvidsjaur/Schweden, geht die Nordlandreise Richtung Fauske und zum Saltsraumen Camping vor Bodø. Trotz der Grösse ein eher mittelmässiger Platz und mit 400 NOK Abstand der Teuerste (die Region hat kaum Plätze über 2*). Morgen geht es nach Bodø und weiter auf die Lofoten (sofern die See nicht gerade Sturmwellen verspricht).


Zeitig treffen wir um 11 Uhr im Hafen von Bodø ein um gleich in die erste Reihe der nicht reservierten Fahrten einzustehen. Um 16:45 Uhr heisst es in Bodo ablegen, zuerst die 3 reservierten Reihen, dann die nicht reservierten Reisenden … Reihe 5, 6 und 7 haben keinen Platz mehr und wir sind weg!

Bald werden wir vom Seenebel umhüllt, auf Deck werden wir vom Nachbartisch während den drei Stunden Überfahrt unterhalten … «cheibe Seich, worum gisch nid Schälle use», der Andere «i mues jetzt go brünzle» … vier CH-Jasser in voller Aktion. Gleich daneben ein pensionierter Teutscher, der wohl einmal beim Radio pausenloser Unterhaltungssprecher war … «Spanien öh … Frankreich öh … und und öh», gibt seine Reiseerlebnisse ohne Unterbruch zum Besten … öh. Am dritten Tisch werden hotdogs und Glacé verspeist, gleich unter dem no-eating Zeichen. Kreischende Kinder vom unteren Deck «Paapaa» entweichen zu unserem Deck … wie schön haben’s wir’s in der Zweisamkeit in unserem heimeligen Camper, ohne Nebengeräusche und -gerüche. So vertiefen wir uns wieder in unsere Bücher … «Liebe mit Blick auf’s Meer» von Marcia Willett und «San Andreas» von Alistair MacLean.  Leicht schwankend auf den Wogen des Atlantiks gleitet die Zeit dahin und um 21 Uhr landen wir in Moskenes auf den Lofoten.

Der Seenebel lichtet sich, die Lofoten kommen in Sicht!

Bei leicht diesiger Sicht bricht die Dämmerung herein und letzte Sonnestrahlen ergiessen sich auf unseren riesigen Übernachtungs-Stellplatz mit nur gerade zwei Camper beim Lofotendorf Reine.

 

Am nächsten Morgen herrliche Bergsicht bei strahlend blauem Himmel … bis ein Gepicktert mit seinem Riesenmobil bis 2 m direkt vor unsere Frontscheibe fährt und wir nur noch WEISS sehen. Mein gut gemeinter Hinweis, dass er noch weitere 1 ½ m rückwärtsfahren könnte versteht er irgendwie nicht … kein Wunder bei einem HH-Schild aus D!


Doch solch kleine Störfälle können uns nicht erschüttern und weiter geht die Reise, teils im Nieselregen und Wolkenfetzen, nach Nusfjord, einem kleinen historisch erhaltenes Fischerdörfchen. Im Sommer muss es hier wohl wie im Fischschwarm aussehen, das Dorf verlangt Eintritt und hat damit wohl reichlich «Steuereinnahmen». Ein kurzer Blick in das Museum der Stockfischverarbeitung lässt die Geruchsphantasien anregen, im Ladengeschäft nebenan riecht es neuzeitlich besser.

Am Freitag-Abend finden wir, Dank einem gesichteten Norwegen-Blog, unseren Standplatz in Mortsund. Am Ende der Dorfstrasse hinter einem Felsen auf dem Hof einer alten Fischfabrik lässt sich herrlich einsam verweilen. Wieder haben zwischendurch die nieselnden Wolken die Oberhand, nur schwach lassen sich einige blaue Himmelslöcher erspähen. Doch das Wochenende starten wir bei tief blauem Himmel. Nach dem Auslüften der Bettwäsche und einem Croissant-Frühstück geht weiter entlang der Lofoten-Kette.

Von Insel zu Insel, entlang Meerbuchten und Bergsehen, vorbei an steilen schwarzen Felsen und sanften Inseln, durch landwirtschaftliches Grün und sumpfigen Mooren lassen wir uns von dem Lofoten-feeling verzaubern. Einfach Sein, geniessen und bestaunen … Bilder erzählen mehr als Worte.

Über Henningvaer, mit einem kurzen Aufenthalt, fahren wir Richtung Sandvika Fjord Camping vor Kabelvåg. Mit der Front direkt zum Wasser kann uns hier nur noch eine dicke Nebelwand den herrlichen Ausblick verwehren.

Gestern Caddy-Camper, heute Marco Polo, morgen 6****** Luxus Liner inklusive Fiat 500 im Gepäck ... wir haben so unsere Träume, wir werden wohl noch einige Nächte damit verbringen müssen!


Bei angenehmen 15 bis 18 Grad setzen wir unsere Reise Richtung Narvik fort und verlassen dabei die wunderschönen Lofoten nach einem kurzen Halt bei der grossen, als Holzbau erstellten Vågan-Kirche (aufgrund ihrer Größe mit Platz für 1200 Gottesdienstteilnehmer wird sie auch Lofotkatedralen genannt). Eine Mittagspause verbringen wir am Ofolfjorden bei Evenes, streng kontrolliert von der Militärpolizei des nahen gelegenen Flugplatzes. 

Eiger, Mönch und Jungfrau (norwegische Version)
Eiger, Mönch und Jungfrau (norwegische Version)

Noch geniessen wir ein bisschen Schweizer Alpen look, dann mal irische Hochmoore, an Schottland erinnernde Küsten und etwas türkisfarbigen Karibikstrand feeling auf dem Narvik vorgelagerten Inselgruppe Hinnoya, wo sich die Berge bis 1000 Meter erheben.


Wir lassen Narvik rechts liegen um das schöne Wetter an der Erzbahn Kiruna-Narvik zu nutzen. Steil steigt die Strasse auf das im Schnee gelegene Bjornfjell und passieren kurz darauf die Grenze zu Schweden. Zwischen Stordalen und Stenbacken beziehen wir beim Bessešjohka Rastplats unser Nachtlager. Die Abendsonne lässt einen ersten Erzzug in schönstem Licht ablichten.


Dienstag 31. Mai. Am Morgen um 7 Uhr Tagwacht und Stellung beziehen an der Erzbahn. Doch der Himmel ist bewölkt und als einziges Fahrzeug ist ein Baustellen-Bahnbagger auf der Trasse zu sichten … keine guten Vorzeichen. Wohl wie schon einmal 2015, am Dienstag-Morgen, mit Regen und Instandhaltungsarbeiten. Doch um 10:30 Uhr lichtet sich der Himmel, und wir fahren Richtung Kiruna weiter. Bald erscheint ein erster Erzzug der Kaunis Iron mit zwei vorgespannten ex SBB Re 482 - Loks und auf der Strasse eine Elchkuh, die vom Zug Richtung Strasse auswich.

Weiter geht es in die Stadt Kiruna, wo die Stadtverlagerung wegen dem fortschreitenden Grubenabbau im Gange ist. 2500 Wohnungen, u.a. ganze Holzhäuser, werden im Laufe der Jahre umgesiedelt, ein neues Stadtzentrum entsteht. Doch alles ohne Charme und wohl kostengünstig zur Schonung der Grubengesellschaft. 


Beim ehemaligen Bahnhof Rensjön gibt es freie Sicht auf vier Bahngleise und verschiedene Züge lassen den Fotoapparat klicken. Auch rotsternige Blaukelchen und Schafstelzen sind ein gern gesehenes Motiv.


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