Reiseblog Schweden

Der dritte Teil unserer nordischen Reise ist Schweden gewidmet.

 

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Info's zu den besuchten Regionen aus den lokalen Websites und Wikipedia.

Fotos copyright by P. Trippi / H. Widrig 


Kaum überfahren wir die Grenze im finnisch-schwedisch-norwegischen Dreiländereck bei Kilpisjärvi treffen wir auf die ersten Rentiere auf und an den finnischen Strassen. Unsere Reise führt uns entlang dem Fluss Muonionjoki nach der 120 km entfernten finnisch-schwedischen Grenzstadt Karesuvanto

Die Landschaft entlang dem Muonionjoki, ist abgesehen von einigen, teils mit Eis bedeckten Seen, wenig abwechslungsreich ... sie wirkt auf uns eintönig und langweilig, so wie es die Bilder vermitteln. Wir müssen unsere norwegische Sichtweise verlassen und uns auf weite lappische Wälder, Hochmoore und Moorseen einstellen ... und wohl bald auch auf die ersten berühmten Moskitomücken. Nach dem Grenzübertritt nach Schweden und weiteren 130 km, nun auf der E45, treffen wir in der Minenstadt Svappavaara ein. Dort gilt ein erster Halt der Bahnlinie aus der Erzgrube Svappavaaras und landen nach wenigen Minuten einen Volltreffer ... der erste Erzzug, inklusive einem Prototyp-Erzwagen, auf dieser Reise im tollen Sonnenlicht.

Auf der Suche nach einem Stellplatz Richtung Gällivare steuern wir einen Badeplatz an und landen auf einem kleinen, friedlichen und sauberen Farmer-Camping. 

Weiterfahrt an den Bahnhof von Gällivare um weiteren Zügen aufzulauern. Sie sind zwar eher spärlich aber doch abwechslungsreich und von verschiedenen Bahngesellschaften.


Nach einer regnerischen Übernachtung hinten am See beim Bahnhof (50 m neben dem offiziellen, aber wegen schlammigem Boden nicht benutzbaren, Stadt-Stellplatz) fahren wir nach Nattavaara, ein Dorf mit Bahnhof im Nirgendwo noch nördlich vom Polarkreis ... doch für Bahnfotographen ein idealer, ruhiger und übersichtlicher Platz mit läutenden Bahnschranken sowie einem ausrangierten Schienenbus der Instandhaltung als Farbtupfer.

Die Fahrt nach Luleå verläuft ereignislos, abgesehen von rund 50 km auf einer Schotterpiste. Die restliche Strecke nach Luleå ist angenehm und zügig. Willkommen auf dem Campingplatz in Luleå, dem First Camp Arcus – Luleå, der ganzjährig geöffnet ist und über 700 (!) Plätze hat. Glücklicherweise sind nur rund 15% belegt, so dass die veralteten, jedoch sauberen, und viel zu kleinen vier Servicegebäude mit je 3 WC und Duschen für Damen respektive Herren, gerade ausreichend. Wir bekommen einen Platz am äussersten Eck am Wasser und stehen praktisch alleine. So lässt sich gut leben ... doch kaum vorstellbar wenn die 700 Plätze besetzt sind.

Am nächsten Morgen erwachen wir (wieder einmal) bei wolkenlosem Himmel und 14 Grad ... als ob wir das schöne Wetter für unsere Ferien gebucht hätten. Heute stehen Museumsbesuche und ein Mittagessen downtown (runde 26 Franken für Rindsfilet/Pommes/Salat und Huhn/Nudeln/Basilikum-Rahmsauce/Parmigiano/Ruccola, beides von hervorragender Qualität) auf dem Programm:

Zuerst das Flymuseet der Staffel 21 der schwedischen Luftwaffe, das leider noch geschlossen war. Es ist nur am Wochenende in der Sommersaison geöffnet. Aber die Exponate außerhalb des Museums entschädigen dann doch ein wenig:

Gammelstad (übersetzt Alte Stadt) ist das alte Zentrum der Stadt Luleå. Vor 1000 Jahren war das heutige Gammelstad eine kleine Insel im Mündungsdelta des Flusses Lule älv. Rund um die Kirche ist das Kirchendorf von Gammelstad zu finden. Es ist eine Siedlung von 400 Hütten (kyrkstugor), in denen die Bewohner der Gemeinde übernachten konnten, wenn sie zum Gottesdienst nach Luleå kamen. Das Kirchendorf von Gammelstad gehört zum UNESCO-Weltkulturerbe. Bei unserem Besuch war gerade noch Lopis-Markt:

Das Freilichtmuseum Hägnan ist ein kulturhistorisches Kompetenzzentrum bei der Kirchenstadt Gammelstad, das das kulturelle Erbe der Küste von Norrbotten vermittelt. Gebäude aus dem 18. bis 20. Jahrhundert sind ausgestellt. Während der Sommersaison, von Mitte Juni bis Mitte August, ist das Museum täglich geöffnet. Leider noch nicht am 8. Juni:

Last but not least das Norrbottens Jarnvagsmuseum - Dampfloks und Eisenbahnen machen den Jungen im Mann glücklich ... so eine Bewertung auf tripadvisor. Eine grosse Sammlung im Freigelände, rostet vor sich hin und wird durch die Natur überwachsen. Dennoch eine Reihe interessanter Objekte. Auch hier sind die Museumshallen noch geschlossen:

Wir verlängern unseren Aufenthalt auf dem Campingplatz um einen Tag. Wettermässig wird heute Sonntag alles geboten: Wolkenloser Himmel bei Sonnenaufgang kurz nach drei Uhr morgens bei 10 Grad, lockere Wolken und angenehme Temperaturen durch den Tag, Abends ein bissiger Wind aus Nord mit einem Gewitter, das uns knapp streifte.

Den Tag nutzten wir für einen Besuch von Boden, eine Stadt mit rund 17'000 Einwohnern.

Nach Schwedens Krieg mit Russland im Jahr 1808 wurde Finnland Teil des Russischen Reiches, wodurch die schwedisch-russische Grenze an den Fluss Tornio verschoben wurde. Schwedens Ära als Großmacht war längst vorbei und Schweden suchte nach einer neuen Verteidigungsstrategie. Die Lösung bestand darin, in Boden eine Festung zu bauen, um das Land vor einer Invasion aus dem Osten zu schützen. Der Bau der Festung Boden sollte jedoch bis zur Jahrhundertwende dauern. Bis 1997 gab es an allen Straßen, die in die Stadt führten, Schilder, die Ausländern den Zutritt nach Boden verboten. 

Besuch des Havremagasinet:

Dieses Gebäude zur Lagerung von Hafer war Teil der Garnison von Boden und wurde 1914 fertiggestellt. Es diente zur Lagerung von Hafer und Getreide für Militärpferde. Sowohl das Haferlager als auch die Festung waren jedoch bald überflüssig. Kraftfahrzeuge und Raupenfahrwerke ersetzten die Pferde und die Befestigungen waren nicht länger nützlich. 

Dieses Haferlager wurde zu einer der bekanntesten öffentlichen Kunstgalerien Schwedens und zeigt seitdem internationale zeitgenössische Kunst, die sich mit aktuellen Themen wie Demokratie, Menschenrechten und Meinungsfreiheit beschäftigt.

Die soeben eröffnete Ausstellung "Grundlagen des Zuhauses" untersucht, was ein Zuhause in seinen grundlegendsten Teilen ausmacht: materiell, sinnlich und konzeptionell. Dies zeigt in einem Raum Tafeln der architektonischen Standards für Raumabmessungen bei Wohn- und Badezimmer, ein Stuhldesign, ein paar Lehmziegel für den Hausbau in Afrika, eine gedeckte Tafel, ein Raumteiler aus Fischhäuten und ein paar Dinge mehr.

Andere Räume behandeln auf wenigen Tischen die Immigration von Afrikanern unter französischer Kolonialpolitik inkl. einem Film eines Regisseurs, der ein Nachkomme ist ... ein lokaler Künstler, der einzelne Bilder in einem Raum ausstellte ... einige wenige Anlagen und Einrichtungen der Haferverarbeitung. Unser Fazit: Ein eindrückliches Gebäude, die Ausstellungen eher dürftig und mager, das Gebäude hätte besseres verdient. Dennoch ein paar Eindrücke:

Nun geht die Reise in die Wildnis Lapplands, an den Piteälven im schwedischen Norbotton. Der Piteälven ist ein nordschwedischer Fluss (einer der vier grossen), der vom Skandinavischen Gebirge in die Ostsee fliesst. Der Piteälven hat eine Länge von 400 Kilometern und entwässert ein Gebiet von 11.220 km². Er entspringt an der norwegisch-schwedischen Grenze und mündet bei Piteå in den Bottnischen Meerbusen.

Hier erleben wir auch den allgemeinen Wetterwechsel: Nachts klarer und kalter Himmel, am Morgen meist etwas aufwärmend sonnig, zunehmende Bewölkung und aufziehende Gewitter, Nachmittag regnerisch und kühl, am Abend sinkende Temperatur auf 10 Grad ...

Auf der Fahrt kommen wir bei den Storforsen, den größten Stromschnellen Skandinaviens vorbei. Auf einer Strecke von sechshundert Metern stürzen die tosenden Wassermassen hier fünfzig Meter abwärts.


Unser Standplatz liegt in der Nähe der Benbryteforsen Stromschnellen westlich von Vidsel. Es sind freie Stellplätze, zwei Tage hatten wir für uns, an einem dritten Tag waren Fischer und zwei andere Camper zugegen.

Spontan fischte ich einen Stein aus dem Fluss der mir besonders gefiel ... beim zweiten Hinsehen glänzten gelbe Einschlüsse ... GOLD?

Oder einfach Katzengold? Nun gehen die Recherchen los ... Katzengold ist das häufig vorkommende Pyrit aus Eisen und zwei Teilen Schwefel. Es ist sehr hart und bleibt am Magneten hängen.

Test 1: Also kratzen wir ein Teilchen raus und legen es auf einen Magneten ... kein Haften.

Test 2: Gold ist weich, Pyrit ist hart. Das Material lässt sich scheibchenweise lösen ... Glitzergold?

Test 3: Bildvergleiche, u.a. mit Golderz in Quarz, der weiss, grau und schwarz ist ... trifft zu.

Test 4: Für den Strichtest wird Pyrit auf einem härteren Material, etwa Keramik, gestrichen. Pyrit ergibt einen dunkelgrauen Strich, bei Gold kommen goldene Partikel zum Vorschein ... müssen wir noch machen.

So geht die Suche nach weiteren Steinen und es lassen sich noch einige finden. Es bleibt spannend und wir geniessen die einsame Natur, ein Steak vom Feuer, Gewitterstimmungen - Regen - Sonne und einfach das Sein. Den wenigen Mücken geht es schlecht bei uns ... ins Auto rein als Leiche raus!

Am 14. Juni geht die Reise weiter ... zuerst auf einer meist schnurgeraden Schotterpiste ... dann auf den breiten und geteerten Inlandsvägen (meist auch endlos gerade), der E45 ... mit etwa 20 km Baustrecke auf Schotter ... Zwischenhalt in Arvidsjaur für ein paar Bahnfotos ... Shoppen im Arctic Glas Shop, Arvidsjaur, von zwei 2019 ausgewanderten Schweizern ... Rentiere am Strassenrand und auf der Strasse ... Ankunft nach vier Stunden in Storuman, wo wir einen Komfortcamping für zwei Tage zum Clampen und Retablieren beziehen: Storumans Camping.

arcticglas.se
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Der Storumans Camping verfügt über 24 Hütten, 75 Plätze für Wohnwagen/ Wohnmobile sowie 30 Zeltplätze. Die Anlage wie die Sanitäreinrichtungen sind sehr gepflegt und grosszügig angelegt link. Wir fühlen uns hier sehr wohl und bleiben zwei Tage, mit ein bisschen Sonne (Deck rauf, Stühle raus), Gewitter (Deck runter) und einzeln Regenschauern (Stühle rein), dies mehrmals am Tag. Um halb 11 Uhr nachts dann eine wunderbare Abendstimmung ...

Update Tag 2 im Storumans Camping: Riesige Gewitterwolkengebilde in fast schwarzer Farbe lassen viel Wasser runter, bald stehen wir in einer Wasserlache ... mal am Wasser, mal im Wasser ... hoffentlich nicht unser neuer Ferienslogan.